Mär

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Nach Corona: Wird die Gesellschaft digitaler?


Das COVID-19 Virus verbreitet sich exorbitant schnell und zwingt die Gesellschaft zum Umdenken. "Soziale Distanzierung" ist eine der Maßnahmen, um die Ansteckungskurve abzuflachen und so einen Kollaps der Gesundheitssysteme zu vermeiden. Viele Menschen können diesen Maßnahmen auch im Beruf nachkommen und arbeiten aus dem HomeOffice heraus. Auch Großveranstaltungen sind betroffen, so finden bis zum Sommer keine Formel 1 Rennen an den jeweiligen Rennbahnen statt, sondern werden über das lizenzierte PC-Spiel online durchgeführt und auf YouTube dem Publikum gezeigt.

Doch wie sieht es nach der Krisenzeit aus? Wird sich unsere Gesellschaft verändern? Wird der Weg zur digitalen Gesellschaft einfacher, da sich gewisse Standards durch diese Krisenzeit etablieren und bewähren konnten?

Zum Schutz der Gesellschaft wurden zunächst Schulen und KiTas geschlossen. Diese Maßnahme stellte viele berufstätige Eltern vor eine schwierige Aufgabe. Wie soll man bitte arbeiten können wenn die Kinder daheim sind? Am Anfang konnte man sich noch mit Nachbarn und Freunden bei der Kinderbetreuung abwechseln, doch dies ist kontraproduktiv zur Eindämmung einer Pandemie. Somit kam, was kommen musste. Es besteht derzeit eine Kontakt- oder Ausgangssperre in vielen Ländern.
Wo vorher noch viele Kritiker laut wurden, dass Tele- und Videokonferenzen nicht produktiv seien, sind diese Mittel gerade die Hauptkanäle zur Kommunikation, beruflich und privat.

Berufstätige Eltern hatten einen holprigen Start, denn viele Lehranstalten sind auf solch eine Remote-Situation nicht vorbereitet. Und auch daheim ist die Situation schwierig: mit dem Laptop in der Stube sitzen und die Kinder schwirren um einen herum und sind nicht ausgelastet. Da ist ein striktes Zeitmanagement gefragt, bei dem klar definierte Zeiten für das Privatleben und berufliche Dinge eingeplant werde müssen.
Ab diesem Punkt haben viele Arbeitgeber und -nehmer gelernt, dass dies möglich ist. Arbeitnehmer sind nicht vor Ort und trotz unausgelasteter Kinder produktiv, die Arbeit wird erledigt. Teils sogar effektiver, da man sich leichter auf eine Sache konzentrieren kann. Keine Ablenkung an der Kaffeemaschine, keine überzogenen Meetings. Was nicht heißen soll, dass in manchen Situationen ein direktes persönliches Gespräch vorzuziehen ist.
Auch die Globalisierung wird sich einer Umstrukturierung hin zu einer Mischform aus "global" und "lokal" unterziehen. Just-in-time (JIT) und just-in-session (JIS) sind derzeit die beherrschende Mittel der Wertschöpfungsketten, um effektiv Produkte herstellen, liefern und veräußern zu können. Dieses Konzept wird vermutlich um Zwischenlager, lokale Endmontagen und Vorratsproduktion erweitert, um Störfaktoren in den Wertschöpfungsketten entgegenzuwirken.

Hier kann sich die Gesellschaft nachhaltig ändern und es bringt viele Vorteile mit sich:
  • Die Umwelt wird durch verringerten Pendelverkehr entlastet.
  • Die Infrastruktur selbst muss nicht für die Pendler (aus-)gebaut werden.
  • Für Unternehmen gibt es keine Notwendigkeit mehr für jeden Arbeitnehmer einen dedizierten Arbeitsplatz vorzuhalten. Für das Controlling Fluch und Segen zugleich.
  • Work-Life-Balance steigert sich, da Zeiten für das Pendeln wegfallen.
  • Zeiten und Reisen werden effektiver geplant.
  • Leerstehende Bürokomplexe könnten zu Wohnraum umgewandelt werden.
  • Von der Globalisierung hin zu einer lokalen Mischform werden lokale Unternehmen aufgewertet, das Bruttonationalprodukt steigt.

"Soziale Distanzierung" muss nicht Rückschritt bedeutet. Vielmehr bedeutet es Veränderung und Verantwortung und kann auch Fortschritt sein. Die technischen Voraussetzungen sind weitgehend erfüllt, fehlt nur stellenweise die Akzeptanz und Probierfreudigkeit in der Gesellschaft.

Ben Witt

Senior Consultant Mobility Solutions - PR